Renditeüberblick, März 2020

06.04.2020

Neues

Das Epizentrum des Corona-Ausbruchs hat sich von China nach Europa bewegt, aber auch in den USA breitet sich das Virus in Windeseile aus

  • Die chinesische Provinz Hubei, das ursprüngliche Epizentrum des Virusausbruchs, hatte sich Ende März etwas erholt. Insgesamt gesehen schien Asien die erste Welle des Virusausbruchs unter Kontrolle gebracht zu haben, auch wenn in Indien ein Lockdown vorgenommen worden war. Dafür hatte Europa den Staffelstab unerwünscht übernommen. Insbesondere Italien und Spanien scheinen die neuen Epizentren des Virusausbruchs zu sein. Trotz der Erfahrungen mit MERS, H1N1 und SARS (dem Vorgänger von COVID-19) kämpft die Welt gegen eine gesundheitsbedrohliche Herausforderung an, wie es sie seit der Spanischen Grippe nicht gegeben hat. Neben umfassendem Leiden und zahlreichen Todesfällen sind die wirtschaftlichen Folgen, die sich insbesondere aus den drastischen Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus ergeben, von noch nie gesehenen Umfang.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung, stellen aber eine extreme Belastung der Wirtschaft dar

  • Der Versuch, die Ausbreitung des Virus abzubremsen, scheint Erfolg zu haben - insbesondere in den Ländern, in denen die Maßnahmen rechtzeitig ergriffen wurden. Dies ist positiv, aber der Effekt hat einen hohen Preis für die Wirtschaft. Und dies ist den Regierungen weltweit sowie internationalen Organisationen schmerzlich bewusst. Deshalb wurden die vielen auf die Gesundheit bezogenen Maßnahmen von massiven Hilfspaketen von Regierungen, Zentralbanken und anderen begleitet. Beispielsweise hat die machtvollste Zentralbank der Welt, die Federal Reserve der USA, Stützkäufe vermeldet, die weder zeitlich noch im Hinblick auf den Betrag begrenzt sind, und die amerikanischen Politiker haben ein Hilfspaket von 2.000 Milliarden USD bewilligt, das es in einem solchen Umfang noch nie gegeben hat. Die massiven Hilfspakete verbreiteten Ende März eine gewisse Ruhe in den Finanzmärkten, den Anlegern ist jedoch weiterhin bewusst, dass niemand mit Sicherheit sagen kann, wie tief die wirtschaftliche Krise einschlagen wird und wie sich eine  Wiederherstellung gestalten wird.

Ölkonflikt stand im Schatten des Coronavirus

  • Während sich das Coronavirus zu einer Pandemie entwickelte, maßen zwei der weltgrößten Ölnationen - Saudi-Arabien und Russland - in Verbindung mit den Preisen und dem Angebot ihre Kräfte.  Dies resultierte in einem starken Rückgang des Ölpreises. Dadurch waren auch die USA im Kreuzfeuer gefangen, da mehrere der Schieferölproduzenten der USA unter den Produzenten mit den höchsten Produktionskosten sind. Die Kombination aus einem erhöhten Angebot und einer Abbremsung der Wirtschaft resultierte im März in einem historisch starken Fall der Ölpreise um mehr als 50 % und mehr als 65 % seit Jahresbeginn. Die Voraussetzungen für den Preiskrieg haben sich seit dessen Beginn wesentlich geändert.

Marktrendite

Das Coronavirus und eine abgeleitete wirtschaftliche Notbremsung beeinträchtigten die Aktien

  • Im Zuge der Verbreitung des Coronavirus und des teilweisen oder vollständigen Lockdowns in mehreren Ländern im Laufe des Monats wurden die Aktien immer mehr in Mitleidenschaft gezogen. Als es am schlimmsten aussah, hatten die Aktienmärkte der Welt um mehr als 23 % nachgegeben. Massive Hilfspakete ließen jedoch die Anleger darauf hoffen, dass es den Wirtschaften nicht allzu schlecht ergehen wird. Deshalb waren die Aktienmärkte in der letzten Märzwoche von einer steigenden Tendenz geprägt. Dies bedeutete, dass der Rückgang im März insgesamt auf etwa 13 % begrenzt war. Insbesondere die Sektoren Öl und Finanz waren betroffen, da der Ölpreis wie ein Stein zu Boden fiel, und weil die Anleger befürchten, dass die Banken von stark zunehmenden Verlusten in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Massive Zinsbewegungen im März

  • Die Entwicklung des Coronavirus zu einer Pandemie löste im März in den Anleihenmärkten massive Zinsbewegungen aus. Somit gingen die 30-jährigen Hypothekenanleihen im Laufe des Monats um bis zu 10 Kurspunkte zurück. Am Monatsende richtete sich der Markt jedoch ein wenig. Zu dem großen Zinsanstieg trug auch die Erwartung massiver Anleihenbegebungen zur Finanzierung diverser Hilfspakete bei. Mitten in der Unruhe wurde eine dänische Zinserhöhung um 0,

    15 Prozentpunkte vorgenommen, da die Dänischen Kronen unter Druck gerieten. Das steigende Zinsniveau hat bedeutet, dass die meisten dänischen Anleihen im März negative Renditen ergaben.

Das Coronavirus und der Rückgang des Ölpreises setzten die Anleihenmärkte der EM unter massiven Druck

  • Die Unsicherheit bezüglich des Umfangs und der Dauer des COVID-19-Ausbruchs und damit auch der wirtschaftlichen Konsequenzen für die einzelnen Länder führten und führen nach wie vor eine große Unsicherheit mit sich. Die starken Preisfälle bei Öl und Rohstoffen haben die vielen Rohstoffe exportierenden Länder, deren Haushalte und Handelsbilanzen unter starken Druck gerieten, vor große Herausforderungen gestellt. Anleihen in Fremdwährung gaben um etwa 14 % nach, während die Lokalmärkte um etwa 11 % zurückgingen. Es war keine Überraschung, dass die Öl exportierenden Länder (Angola, Ecuador, Venezuela, Kolumbien, Gabun, Nigeria) und die sowieso schon mit Herausforderungen kämpfenden Wirtschaften (Sri Lanka, Südafrika, Sambia und Argentinien) die niedrigsten Renditen von -65 % bis -20 % ergaben, während die konservativeren Märkte Renditen von 0 % bis -5 % erzielten. Die Voraussetzungen für die Länder haben sich völlig geändert. Die Entwicklung von Covid-19 und das Preisniveau für Rohstoffe sind von entscheidender Bedeutung, während neue Kreditfazilitäten des IWF in den nächsten Monaten einen Teil der Unsicherheit abwehren können werden. 

Die Kreditmärkte im März    

  • Der März 2020 war für die Kreditmärkte ein extremer Monat! Die Geld/Brief-Spreads im High Yield lagen typisch bei 4-5 % und nur bei Transaktionen von 1-2 Millionen USD. Drei der vier größten täglichen Spreaderweiterungen in EUR IG in den letzten 20 Jahren vollzogen sich im März 2020. ETFs für Unternehmensanleihen wurden zu einem Zeitpunkt bei 5 % unter dem Nettoinventarwert gehandelt und wenige Tage später bei 5 % darüber! Der sinkende Ölpreis schickte schnell die ersten Schiefergas- und Schieferölproduzenten in den Konkurs. Carnival Cruise Lines (Anfang März mit einem Rating A- und heute BBB-) stellte für 4 Milliarden USD 3-jährige Anleihen mit einem Pfandbrief ersten Ranges in den Schiffen des Unternehmens mit einem Zinssatz von 12 % aus! Die High Yield-Spreads rechnen jetzt eine 5-jährige akkumulierte Konkursrate von 40 % ein. Im historischen Rückblick hatte die schlechteste 5-jährige Periode eine Konkursrate von 31 % gehabt.