Marktkommentar – Juli 2022

16.08.2022

Da der Monat Juli normalerweise im Zeichen des Sommerurlaubs und der Sommerpause steht, hatten die Marktteilnehmer wahrscheinlich den Wunsch, dass der Monat verhältnismäßig ereignislos verlaufen würde. Allerdings war der Juli 2022 alles andere als ereignislos. Das wichtigste Ereignis war wohl, dass die beiden großen westlichen Zentralbanken (Fed und EZB) im Laufe des Monats die Zinsen anhoben. Die Zinsanhebungen hatte man erwartet, jedoch war man gespannt auf ihre Höhe (Fed: +75 Basispunkte, EZB: +50 Basispunkte). Die Fed hatte die Zinsen bekanntermaßen auch im Juni um 75 Basispunkte angehoben und hat bei einem Zinssatz von 2,25 % die Zinsen jetzt historisch schnell angehoben. Die EZB (und die dänische Zentralbank) heben die Zinsen gewöhnlich nur in Schritten von 25 Basispunkten an. Die Anhebung um 50 Basispunkte im Juli zeigt jedoch, dass die steigenden Inflationstendenzen in der Eurozone Besorgnis erregen. Es handelt sich im übrigen um die erste Zinserhöhung der EZB seit 11 Jahren (s. Abb. 1).

Eine andere wichtige Entwicklung im Juli war, dass die Wirtschaftsdaten der großen Volkswirtschaften ihre negativen Tendenzen vom Mai und Juni fortsetzten. Somit nähern sich mehrere der Wachstumsindikatoren Rezessionsniveaus in einem etwas schnelleren Tempo als vom Markt erwartet.

Angesichts der beschriebenen Entwicklung kann es einem merkwürdig vorkommen, dass risikoreiche Vermögenswerte im Juli ansehnliche Renditen erzielten. Unserer Ansicht nach ist dies auf zwei Umstände zurückzuführen. Erstens bewirkt ein nachlassendes Wirtschaftswachstum auch ein Nachlassen des Drucks auf die Zentralbanken, weitere Zinserhöhungen vorzunehmen, da der Druck auf die Inflation in einer Rezession geringer wird. Gerade die steigenden Zinsen sind 2022 eine der Hauptursachen der negativen Entwicklung im Aktienmarkt.

Abb. 1: Höchste amerikanische Inflation seit 40 Jahren