Marktkommentar Juni 2020

09.07.2020

Neues

Amerikanische Wachstumsdaten und Ansteckungszahlen gingen in verschiedene Richtungen

  • Die Ansteckungszahlen in mehreren amerikanischen Bundesstaaten haben im Laufe des Monats Juni Unheil verkündende Tendenzen in den USA gezeigt - und zwar in solchem Maße, dass Florida und Texas begannen, ihre Wiederöffnung zurückzurollen. Gleichzeitig äußerte Anthony Fauci, ein bekannter Immunologe und Mitglied der Corona-Task Force von Präsident Trump, seine Besorgnis. Daneben kam es zu neuen Virusaus-brüchen in unter anderem China und außer Kontrolle geratenen Ansteckungszahlen in mehreren Regionen in Südamerika. Die Zahlen schienen Unheil zu verkünden, gleichzeitig wurden aber im Laufe des Monats Juni eine Reihe von Wirtschaftsdaten veröffentlicht, die auf eine Erholung in den früher so stark beeinträchtigten Wirtschaften deuten. Eine Erholung, die zwar von einem niedrigen Niveau ausgeht, die aber trotzdem eine Besserung darstellt, die ebenfalls von neuen wirtschaftlichen Initiativen von Zentralbanken und Regierungen unterstützt worden ist. 

Demokratischer Präsidentschaftskandidat Joe Biden geht in Führung

  • Nach den neusten Meinungsumfragen ist Joe Biden vor Donald Trump in Führung gegangen. Letztgenannter war unter anderem wegen seines Umgangs mit der Corona-Krise sowie mit den Protesten im Zuge der tödlich ausgegangenen Verhaftung des Afroamerikaners George Floyd im US-Bundesstaat Minnesota stark kritisiert worden. Anschließend weiteten sich die Demonstrationen gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner auf mehrere Orte in den USA und in der ganzen Welt aus. Joe Biden führt in den Meinungsumfragen mit etwa 7 Prozentpunkten vor seinem 3½ Jahre jüngeren Mitbewerber. Bis zur Präsidentschaftswahl am 3. November in den USA ist jedoch noch nichts entschieden.

Corona-Pandemie scheint die Welt verändert zu haben - und hat bestimmte Aktien auf Höhenflüge geschickt

  • Die Anleger an den Kapitalmärkten sind emsig damit beschäftigt, die Konsequenzen der Corona-Krise und ihre Auswirkungen für die Zukunft abzuschätzen. Viele Fragen haben sich dahin gehend aufgetan, welche Folgen vorübergehend sind, und wie viel sich für immer verändert hat. Die Anleger haben bisher deutlich Stellung bezogen - und zwar mit den globalen Softwareunternehmen und Unternehmen in den Bereichen Internethandel als Gewinner. Diese beiden Industrien sind dieses Jahr um 24 % bzw. 30 % gestiegen. Dies steht in scharfem Kontrast zu den Unternehmen in den Bereichen Ausrüstungen für die Ölindustrie und Luftfahrt. Der Wert dieser beiden Industrien hat sich im ersten Halbjahr etwa halbiert.

Marktrendite

Anleger verzeichneten im Juni Kursanstiege, aber auch große Kursschwankungen

  • Ende Juni lagen die Aktienmärkte um 2,2 % höher als zu Beginn des Monats, jedoch waren die Schwankungen im Laufe der Monats sehr groß. Als die Situation am besten aussah, waren die Märkte um mehr als 5 % gestiegen, und zum schlechtesten Zeitpunkt betrug der Rückgang mehr als 1 %. Die Märkte wogten hin und her - begleitet von neuen Virusausbrüchen in China und sich überschlagenden Ansteckungsrekorden in den USA auf der einen Seite und erheblicher wirtschaftlicher Unterstützungen vonseiten der Regierungen und Zentralbanken auf der anderen Seite. Darüber hinaus haben Aktienanleger die Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von COVID-19 mitverfolgt, und es hat mehrere positive Ergebnisse gegeben - auch wenn noch nicht von einem eigentlichen Impfstoff die Rede ist. Neue Verbrauchsgewohnheiten haben insbesondere die Aktien begünstigt, die auch im Juni mit Anstiegen um durchschnittlich fast 7 % wieder Ton angebend waren, während es Aktien des Versorgungssektors schwer hatten.

Flache Entwicklung in den Rentenmärkten

  • Der Juni begann optimistisch mit Arbeitslosenquoten, die viel besser als erwartet ausfielen. Insbesondere die Zahlen aus den USA zeigten eine geringere Arbeitslosigkeit als erwartet. Dies resultierte in einem kurz-zeitigen Zinsanstieg, bei dem die 10-jährigen amerikanischen Staatsanleihen von 0,60 % auf 0,85% stiegen. Die Stimmung änderte sich jedoch sehr schnell, als die Ansteckungszahlen für COVID-19 in mehreren Ländern erneut zu steigen begannen. Insbesondere in Lateinamerika und den USA war ein Auflodern der Ansteckung mit dem Virus zu beobachten. Über den gesamten Monat betrachtet endete das Zinsniveau deshalb sowohl in den USA als auch in Deutschland im Großen und Ganzen unverändert. Im dänischen Anleihenmarkt war es verhältnismäßig ruhig. Die Emission von Hypothekenanleihen nahm zu, da aber die Nachfrage im Allgemeinen sehr gut war, hatten die Hypothekenanleihen einen guten Monat. Der große Emissionsbedarf der dänischen Zentralbank zur Finanzierung der Hilfspakete verläuft planmäßig und hat die relative Bewertung der Staatsanleihen kaum beeinflusst.

Kreditspread engte sich in den Emerging Markets weiter ein

  • Vor COVID-19 wurde der Kreditspread in den Emerging Markets bei etwa 300 Basispunkten gehandelt. Als die Furcht vor den wirtschaftlichen Konsequenzen von COVID-19 im März am größten war, erreichte der Kreditspread seinen Höchststand bei 720 Basispunkten. Seitdem hat sich der Kreditspread eingeengt, womit er auch im Juni fortsetzte. Die 510 Basispunkte zu Beginn des Monats engten sich auf 475 Basispunkte zum Ende des Monats ein. Bei vielen Ländern hat sich im Zuge der Krise das Haushaltsdefizit erhöht und damit auch die Verschuldung. Brasilien beispielsweise geht für dieses Jahr von einem Haushaltsdefizit in Höhe von mehr als 15 % des BIP aus, während sich die Schulden vermutlich auf 100 % des BIP beziffern werden. Für Länder wie Südafrika, Indien, Saudi-Arabien und Peru werden ebenfalls zweistellige Haushaltsdefizite erwartet. Umgekehrt haben Länder wie Indonesien, Russland, Malaysia und Thailand Aussicht auf Haushaltsdefizite um die 5 %, weshalb diese Länder besser gestellt sind.

Kreditmärkte im Juni 

Die Entwicklung der Kredit-Zinsspreads war etwas gedämpfter als in den Vormonaten. Dabei engten sich die Investment Grade-Spreads „nur“ um 18 Basispunkte ein, während sich die High Yield-Spreads um 16 Basispunkte verkleinerten. Das sich die Investment Grade-Spreads am stärksten einengten ist wahrscheinich darauf zurückzuführen, dass die EZB keine High Yield-Anleihen kaufen darf.