Marktkommentar – April 2022

09.05.2022

Auch wenn sich der Krieg in der Ukraine fortsetzt, hat sich dessen Einfluss auf die Finanzmärkte in der letzten Zeit verringert. Der Markt scheint vor allem hinsichtlich der Auswirkungen des Krieges auf die Energie- und Lebensmittelversorgung nervös zu sein. Im Laufe des Monats April stiegen die Zinsen für sowohl Staats- als auch Hypothekenanleihen weiter. Ursache dafür ist die Besorgnis, dass die Zentralbanken dazu gezwungen sein werden, stärker gegen die steigende Inflation vorzugehen, die sich immer noch auf extrem hohen Niveaus befindet. Im Laufe des Monats April wurden zusätzlich zwei Zinserhöhungen vonseiten der amerikanischen Zentralbank eingepreist, sodass jetzt im Laufe von 2022 11 Zinserhöhungen (um jeweils 0,25 %) erwartet werden.

Die steigenden Zinsen haben bedeutet, dass sich die Anleger nicht vor sinkenden Aktienkursen in Sicherheit bringen konnten, was normalerweise der Fall ist. Wir sehen somit zwei Risikoszenarien hinsichtlich der Zinsentwicklung ausgehend vom aktuellen Niveau.

Sollte das Wachstum negativ überraschen, kann dies bedeuten, dass die nationalen Zentralbanken weniger aggressiv sein werden, um den wirtschaftlichen Abschwung nicht zu verstärken. In diesem Szenario können wir deshalb sinkende Zinsen erleben – insbesondere hinsichtlich der kurzfristigen Zinsen.

Im zweiten Szenario sehen wir keine Abschwächung der Inflationsentwicklung, die ausreichend groß ist, damit der Markt daran glaubt, dass die Zentralbanken auf Sicht von 2-3 Jahren ihr Ziel einer Inflation auf dem Niveau von 2-3 % pro Jahr erreichen können. In diesem Szenario werden die Zinsen die steigende Tendenz fortsetzen. Mit anderen Worten werden Wachstum und Inflationsentwicklung in den kommenden Monaten zentrale Fokuspunkte sein.

Abschließend sei erwähnt, dass die harten Lockdowns mehrerer Großstädte in China in Verbindung mit neuen Coronavirus-Ausbrüchen die Wirtschaft abgebremst haben. Die Wachstumsindikatoren der zweitgrößten Wirtschaft der Welt liegen deshalb jetzt auf den tiefsten Niveaus seit März 2020 (Abb. 1).


Renditen der Anlageklassen
Der April war ein negativer Monat aufgrund von sinkenden Aktienkursen, wachsenden Kreditspreads und steigenden Zinsen, was für Investitionen ein schlechter Cocktail ist. Etwas bemerkenswert ist, dass die neuen Aktienmärkte (Emerging Markets) im April verhältnismäßig gut abgeschnitten und für das Jahr bis heute niedrigere negative Renditen als die Aktienmärkte der entwickelten Länder erzielt haben. Bei unseren alternativen Anlagen dagegen haben wir im April ansehnliche positive Renditen erzielt.

Aktuelles
Es gibt viele gute Erklärungen dafür, dass Aktien und Anleihen im Laufe der ersten vier Monate von 2022 nachgegeben haben (hohe Inflation, steigende Rohstoffpreise, Krieg in der Ukraine und sinkendes Wachstum). Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass wir in der kommenden Zeit aufgrund der hohen Unsicherheit auf mehreren Ebenen eine hohe Volatilität verzeichnen werden. Wir beobachten, dass sich die Stimmung im Markt furchtsamen Niveaus nähert, was normalerweise auf kurze Sicht Anzeichen für eine Abbremsung oder eine Korrektur bei sowohl Aktien als auch Anleihen sein kann.

Dies bedeutet, dass die Aussichten für das Renditepotenzial risikoreicher Vermögenswerte zu Beginn des Monats Mai leicht reduziert sind. Ausgehend von unseren Indikatoren sind wir deshalb nicht der Auffassung, dass die Zeit für eine Änderung des Risikos in unseren Portfolien reif ist.